Kernsanierung mit Aufstockung in Kelkheim-Ruppertshain: ein Haus von 1967 am Hang
Ein Haus von 1967 wird energetisch von Grund auf saniert und bekommt ein neues Geschoss aus Holz. Drei Bauabschnitte, ein Sanierungsfahrplan und viele Anschlüsse zwischen Alt und Neu.
Von Ümit Uzun, Architekt und Energieberater. Stand 9. Oktober 2026, Lesezeit 6 Min.

Laufendes Projekt, Stand Oktober 2026
| Ort | Kelkheim-Ruppertshain (Taunus), Hanglage |
|---|---|
| Gebäude | Einfamilienhaus, Baujahr 1967 |
| Vorhaben | Energetische Kernsanierung und Aufstockung in Holzbauweise |
| Grundlage | Individueller Sanierungsfahrplan, BAFA-Förderung (BEG EM) in drei Bauabschnitten |
| Meine Rolle | Energieberatung, Fachplanung, Baubegleitung |
| Stand | Bauphase. Fotos vom fertigen Haus folgen. |
Ein Haus von 1967 am Hang über dem Tal
Ein Einfamilienhaus in Kelkheim-Ruppertshain, gebaut 1967, an einem Hang im Taunus. Die Eigentümer haben es gekauft, um es aufzuwerten: Es wird energetisch von Grund auf saniert und um ein Geschoss erweitert.
Der Ausblick aus diesem neuen Geschoss ist, ehrlich gesagt, unglaublich. Von dort oben geht der Blick weit über den Taunushang hinunter ins Tal. Damit das Geschoss nicht nur schön, sondern auch sparsam wird, muss es energetisch zum sanierten Bestand passen. Darum geht es in diesem Bericht.
Die Fotos vom November 2024 zeigen den Zustand vor dem Umbau: verputzte Fassade, Satteldach, ein Balkon mit Holzgeländer. Das Gelände fällt zum Tal hin ab, ein Teil des Untergeschosses liegt im Erdreich.


Meine Rolle: Energieberatung, Fachplanung, Baubegleitung
Ich bin bei diesem Projekt als Energieberater und Architekt dabei. Am Anfang stand die Energieberatung mit dem individuellen Sanierungsfahrplan. Danach kamen die Fachplanung der einzelnen Maßnahmen und die Förderanträge. Auf der Baustelle übernehme ich die Baubegleitung.
Mein Schwerpunkt bei diesem Haus sind die energetischen Anschlüsse: überall dort, wo neue Bauteile auf alte treffen und Wärmebrücken entstehen können. Bei einer Sanierung mit Aufstockung gibt es davon besonders viele.
Ein Sanierungsfahrplan, drei Bauabschnitte
Grundlage ist ein individueller Sanierungsfahrplan. Er legt fest, welche Bauteile in welcher Reihenfolge saniert werden, damit jeder Schritt zum nächsten passt. Umgesetzt wird über einen längeren Zeitraum in drei Bauabschnitten. Für jeden Abschnitt gibt es einen eigenen Förderantrag bei der BAFA mit einer technischen Projektbeschreibung, in der die Maßnahmen und ihre Mindestwerte stehen.
Eine Sanierung in Abschnitten hat bei diesem Umfang zwei Vorteile. Die Arbeiten lassen sich sauber aufeinander abstimmen. Und die BAFA begrenzt die förderfähigen Kosten je Kalenderjahr, über mehrere Jahre verteilt wird die Förderung mehrfach nutzbar. Wie ich die Reihenfolge allgemein festlege, steht im Ratgeber Energetische Sanierung: Reihenfolge und Kosten.
Die Maßnahmen und ihre Zielwerte
Der U-Wert gibt an, wie viel Wärme durch einen Quadratmeter Bauteil verloren geht. Je kleiner, desto besser. Die Werte in der Tabelle stammen aus den Förderanträgen: Es sind die Höchstwerte, die die neuen Bauteile einhalten müssen.
| Bauteil | Zielwert in W/(m²K) |
|---|---|
| 1. Bauabschnitt: Fenster und Türen | |
| Fenster, Balkon- und Terrassentüren | Uw ≤ 0,95 |
| Einbruchhemmende oder barrierearme Elemente | Uw ≤ 1,1 |
| Dachflächenfenster | Uw ≤ 1,0 |
| Haustür und Außentüren | UD ≤ 1,3 |
| 2. Bauabschnitt: Außenwände | |
| Außenwände, gedämmt | U ≤ 0,20 |
| 3. Bauabschnitt: Dach und Decken | |
| Schrägdach mit Kehlbalkenlage | U ≤ 0,14 |
| Dachgauben | U ≤ 0,20 |
| Oberste Geschossdecke und Abseitenwände | U ≤ 0,14 |
| Flachdach mit Abdichtung | U ≤ 0,14 |
| Decken gegen unbeheizte Räume, Kellerdecke | U ≤ 0,25 |
Wie dick eine Dämmung für solche Werte sein muss, hängt vom Material ab. Beispiele für die Außenwand stehen im Ratgeber Dämmstärke der Außenwand, für das Dach unter Dach neu decken und dämmen.
Die Aufstockung in Holzbauweise
Das neue Geschoss entsteht in Holzbauweise: Holzrahmenwände, eine Holzbalkendecke und Sparren, beplankt mit Holzwerkstoffplatten. Holz ist deutlich leichter als Mauerwerk, das ist bei einer Aufstockung auf ein bestehendes Haus ein wichtiger Punkt. Zur Talseite hat das Geschoss eine große Öffnung für den Ausblick.
Auf den Fotos vom Oktober 2026 steht der Holzbau im Rohbau, vor dem Innenausbau. Für mich als Energieberater ist er nicht der schwierigste Teil. Schwierig sind die Stellen, an denen Neu auf Alt trifft.


Wo Alt auf Neu trifft, entstehen Wärmebrücken
Eine Wärmebrücke ist eine Stelle, an der mehr Wärme verloren geht als im Bauteil daneben. Dort ist die Oberfläche innen kälter, im ungünstigen Fall schlägt sich Feuchte nieder und es bildet sich Schimmel. Bei einer Sanierung mit Aufstockung liegen diese Stellen fast immer an den Übergängen. Bei diesem Haus sind das vor allem:
- der Übergang vom massiven Bestand zur Holzkonstruktion des neuen Geschosses
- die Fenster aus dem ersten Abschnitt, die zur später gedämmten Außenwand passen müssen
- der Anschluss der Wanddämmung an Dach, Gauben und Flachdach
- der Sockel und die Bauteile im Erdreich am Hang
Für diese Punkte erarbeite ich die Lösungen und kontrolliere sie in der Baubegleitung, bevor sie hinter Bekleidung und Putz verschwinden. Ein Bauteil mit sehr gutem U-Wert verliert viel von seinem Vorteil, wenn der Anschluss daneben undicht ist oder eine kalte Kante bleibt.
Am Hang zählen auch die Bauteile im Erdreich
Am Hang steckt ein Teil des Hauses im Erdreich. Bei diesem Projekt werden auch diese erdberührten Bauteile energetisch verbessert und erweitert. Das wird bei Sanierungen oft ausgelassen, weil es aufwendiger ist als Fassade oder Dach.
Im Erdreich muss die Dämmung dauerhaft Feuchte und Erddruck aushalten, Dämmung und Abdichtung gehören zusammen geplant. Und am Übergang zur gedämmten Fassade darüber darf keine Lücke bleiben, sonst entsteht genau dort die nächste Wärmebrücke.
Was die BAFA bei so einem Projekt fördert
Dämmung, Fenster und Türen fördert die BAFA als Einzelmaßnahmen an der Gebäudehülle (BEG EM). Allgemein gilt nach der Richtlinie vom 17.07.2026, geprüft am 8. Oktober 2026:
- Zuschuss: 15 % der förderfähigen Kosten.
- Mit individuellem Sanierungsfahrplan 5 % mehr, beim Einfamilienhaus auf den Kostenanteil über 30.000 €.
- Förderfähig sind bis zu 30.000 € je Wohneinheit und Kalenderjahr, mit Sanierungsfahrplan bis zu 60.000 €.
- Fachplanung und Baubegleitung werden zu 50 % gefördert, auf bis zu 5.000 € im Ein- und Zweifamilienhaus.
- Der Sanierungsfahrplan selbst wird ebenfalls zu 50 % gefördert.
- Pflicht ist ein Energie-Effizienz-Experte, der vor dem Antrag die technische Projektbeschreibung und nach der Fertigstellung den Nachweis erstellt.
Beträge zu diesem Haus veröffentliche ich nicht. Was die Förderung für Ihr Haus ungefähr bedeutet, zeigt der Förderrechner. Anträge und Nachweise übernehme ich in der Förderberatung.
Stand der Baustelle im Oktober 2026
Die Fotos aus der Bauphase sind vom 9. Oktober 2026. Das Haus steht im Gerüst, der Holzbau des neuen Geschosses ist aufgerichtet, an der Dachkonstruktion wird gearbeitet. Fertig ist das Haus noch nicht.
Sobald es fertig ist, ergänze ich diesen Bericht um Fotos vom fertigen Haus und um den Blick aus dem neuen Geschoss bei klarem Wetter.
Kernsanierung im Raum Kelkheim
Kelkheim liegt rund 20 Minuten von meinem Büro in Steinbach entfernt. Was dort für Sanierungen gilt, von der Wärmeplanung bis zur Förderung, steht auf meiner Seite zur Energieberatung in Kelkheim. Wie man eine Kernsanierung von Anfang an richtig aufsetzt, beschreibt der Ratgeber Kernsanierung planen.
Wenn Sie selbst ein älteres Haus gekauft haben oder über eine Aufstockung nachdenken: Im kostenlosen Erstgespräch klären wir, was zuerst kommt und welche Förderung passt.