Was der Sanierungsfahrplan ist — und was nicht
Der individuelle Sanierungsfahrplan (iSFP) ist ein standardisiertes Beratungsdokument der Bundesförderung. Ein zugelassener Energie-Effizienz-Experte nimmt Ihr Gebäude vor Ort auf, bilanziert es und legt fest, in welcher Reihenfolge welche Maßnahmen sinnvoll sind — mit Kosten, Einsparung und Förderquote je Etappe. Das Ergebnis sind rund 20 Seiten in einheitlichem Format, das auch Banken und Förderstellen kennen.
Er ist keine Verpflichtung: Sie müssen nichts davon umsetzen, und Sie können die Etappen über 15 Jahre strecken. Er ist auch kein Energieausweis — der bewertet nur den Ist-Zustand für Verkauf oder Vermietung. Der Fahrplan plant die Zukunft.
Grund 1: 50 % der Beratung zahlt das BAFA
Die Erstellung des Fahrplans wird über die BAFA-Energieberatung für Wohngebäude zu 50 % bezuschusst — bis 650 € beim Ein- und Zweifamilienhaus, bis 850 € ab drei Wohneinheiten. Für Wohnungseigentümergemeinschaften kommt ein Zuschuss für die Vorstellung in der Eigentümerversammlung dazu. Für ein typisches Einfamilienhaus bleibt ein Eigenanteil im mittleren dreistelligen Bereich.
Grund 2: 5 % mehr Förderung auf jede Maßnahme an der Hülle
Wer Maßnahmen aus seinem Fahrplan umsetzt, bekommt bei der BAFA-Förderung für Einzelmaßnahmen (BEG EM) den iSFP-Bonus: 5 Prozentpunkte zusätzlich zur Grundförderung von 15 %. Seit dem 21.07.2026 gilt der Bonus für förderfähige Kosten über 30.000 €. Bei einer Fassadendämmung für 45.000 € sind das 750 € mehr Zuschuss — allein dadurch hat sich der Fahrplan bezahlt.
Grund 3: Doppelter Kostendeckel — 60.000 € statt 30.000 € je Wohneinheit
Das ist der Hebel, den die meisten übersehen. Ohne Fahrplan fördert die BAFA maximal 30.000 € förderfähige Kosten je Wohneinheit und Jahr. Mit Fahrplan sind es 60.000 €. Bei einer Sanierung von Fassade, Dach und Fenstern für 80.000 € heißt das: ohne iSFP 15 % auf 30.000 € = 4.500 € Zuschuss; mit iSFP 15 % auf 60.000 € plus 5 % auf den Anteil über 30.000 € = 9.000 € + 1.500 € = 10.500 €. Der Unterschied: 6.000 € — für ein Dokument, das ein paar hundert Euro kostet.
Grund 4: Die richtige Reihenfolge verhindert Bauschäden
Neue, dichte Fenster in einer alten, ungedämmten Wand verschieben den Taupunkt in die Fensterlaibung — Schimmel ist die Folge. Eine Wärmepumpe im ungedämmten Haus braucht 65 °C Vorlauf und läuft mit miserabler Arbeitszahl. Der Fahrplan legt fest, was zusammengehört und was zuerst kommt. Das ist der Teil, den kein Handwerkerangebot leisten kann, weil jeder Handwerker nur sein Gewerk sieht.
- Typische Reihenfolge beim Einfamilienhaus der 60er bis 80er: oberste Geschossdecke und Kellerdecke (günstig, hoher Effekt) → Dach oder Fassade mit Fenstern (zusammen planen) → Heizungstausch auf Wärmepumpe (nach reduzierter Heizlast kleiner dimensioniert)
- Ausnahme: Die Heizung ist defekt. Dann Wärmepumpe zuerst — aber ausgelegt auf den Zustand nach der Hüllsanierung, mit Heizkörpertausch als Übergang
Grund 5: Verhandlungsbasis gegenüber Handwerkern und Bank
Mit dem Fahrplan in der Hand holen Sie vergleichbare Angebote ein — die Maßnahmen sind definiert, die Dämmstärken stehen fest, die Anforderungen der Förderung sind bekannt. Banken akzeptieren den iSFP als Grundlage für Modernisierungskredite; die KfW-Ergänzungskredite setzen ihn teilweise voraus. Und beim Verkauf ist ein Haus mit Fahrplan mehr wert als eines ohne: Der Käufer sieht, was zu tun ist und was es kostet.
Für wen sich der Fahrplan nicht lohnt
Ehrlicherweise: Bei einem Neubau nach 2010 oder einem bereits sanierten Effizienzhaus bringt der Fahrplan wenig. Und wer ausschließlich die Heizung tauschen will und sicher weiß, dass die Hülle in den nächsten 15 Jahren unangetastet bleibt, kommt mit der KfW-Heizungsförderung allein aus — dort gibt es keinen iSFP-Bonus. In allen anderen Fällen, insbesondere bei Gebäuden vor 1995, ist der Fahrplan die beste erste Investition.