Fenstertausch in Oberursel: neue Fenster für eine kleine Villa, Baujahr um 1970
Zwei Baubegehungen, Dreifachverglasung und nachgerüstete Rollladenkästen. Dazu die Punkte, auf die ich vor jedem Fenstertausch achte.
Von Ümit Uzun, Architekt und Energieberater. Stand 6. Oktober 2026, Lesezeit 5 Min.

Das Haus und der Auftrag
Eine kleine, freistehende Villa im Grünen in Oberursel (Taunus), gebaut um 1970, rund 185 m² Wohnfläche. Die Kunststofffenster mit Zweifachverglasung waren nicht mehr zeitgemäß. Die Eigentümer lassen sie gegen Fenster mit Dreifachverglasung tauschen, die Rollläden werden dabei mit Dämmung nachgerüstet.
Ich bin als Energieberater und Architekt dabei, aus zwei Gründen: für die Förderung und für die Qualitätssicherung auf der Baustelle. Ein neues Fenster ist nur so gut wie sein Einbau. Deshalb habe ich mir die Baustelle zweimal angesehen.
Erste Begehung im Rohzustand (29. September 2026)
Die erste Begehung war direkt nach dem Ausbau der alten Fenster. In diesem Zustand sieht man, was später hinter Putz, Leisten und Fensterbank verschwindet.
Mein Augenmerk lag auf den Anschlüssen an die benachbarten Bauteile: der Laibung, dem Rollladenkasten und der Fensterbank. Dazu kommt die Frage, ob irgendwo Feuchte im Spiel ist. An diesen Stellen entscheidet sich, ob das neue Fenster dicht sitzt oder ob neue Wärmebrücken entstehen.


Die neuen Fenster: Dreifachverglasung
Eingebaut werden Fenster mit Dreifachverglasung. Für die Förderung zählt dabei nicht das Glas allein, sondern der Wärmedurchgangskoeffizient des ganzen Fensters, der Uw-Wert. Die BAFA verlangt für neue Fenster höchstens 0,95 W/(m²K). Mit Zweifachverglasung ist das in der Praxis kaum zu schaffen.
Warum die Rollladenkästen mitgemacht werden
Bei Häusern aus dieser Zeit sitzt der Rollladenkasten oft direkt über dem Fenster in der Wand und ist kaum gedämmt. Wer nur das Fenster tauscht, hat danach ein sehr gutes Fenster unter einer schwachen Stelle in der Außenwand.
Deshalb werden die Rollläden hier mit Dämmung nachgerüstet. Fenster und Rollladenkasten gehören beim Tausch zusammen geplant.
Zweite Begehung kurz vor der Fertigstellung (6. Oktober 2026)
Bei der zweiten Begehung waren die neuen Fenster eingebaut. Ich habe mir wieder die Anschlüsse angesehen: seitlich an Laibung und Putz, unten an der Fensterbank und oben am Rollladenkasten.
Die Kontrolle hat einen praktischen Grund. Was jetzt nicht stimmt, ist nach den letzten Putz- und Malerarbeiten nicht mehr zu sehen. Und für die Förderung muss nach der Fertigstellung ein Energie-Effizienz-Experte bestätigen, dass die Anforderungen eingehalten sind.

Förderung für neue Fenster: Was die BAFA zahlt
Neue Fenster fördert die BAFA als Einzelmaßnahme an der Gebäudehülle (BEG EM). Stand meiner Prüfung auf bafa.de am 6. Oktober 2026:
- Zuschuss: 15 % der förderfähigen Kosten.
- Mit individuellem Sanierungsfahrplan (iSFP) 5 % mehr, beim Einfamilienhaus allerdings nur auf den Betrag über 30.000 €.
- Förderfähig sind bis zu 30.000 € je Wohneinheit, mit Sanierungsfahrplan bis zu 60.000 €.
- Fenster müssen einen Uw-Wert von höchstens 0,95 W/(m²K) erreichen.
- Ein Energie-Effizienz-Experte ist Pflicht. Er erstellt vor dem Antrag die technische Projektbeschreibung und nach der Fertigstellung den Nachweis.
Förderzahlen ändern sich, ich prüfe sie vor jedem Antrag neu. Was das für Ihr Haus ungefähr bedeutet, zeigt der Förderrechner. Antrag und Nachweise übernehme ich in der Förderberatung.
Checkliste: Darauf achte ich bei jeder Baubegehung vor dem Fenstertausch
Diese Punkte gehe ich bei jedem Fenstertausch durch. Sie eignen sich auch als Fragen an Ihren Fensterbauer.
- Uw-Wert der neuen Fenster: höchstens 0,95 W/(m²K), sonst gibt es keine BAFA-Förderung.
- Seitlicher Anschluss an die Laibung: innen luftdicht, außen dicht gegen Schlagregen.
- Unterer Anschluss an die Fensterbank: Wasser muss nach außen ablaufen und darf nicht unter den Rahmen gelangen.
- Oberer Anschluss am Rollladenkasten: Ist der Kasten gedämmt und dicht, oder bleibt über dem neuen Fenster eine kalte Stelle?
- Feuchte und Schimmelspuren an Laibung und Sturz: erst die Ursache klären, dann schließen.
- Lüftung nach dem Tausch: Neue Fenster sind dichter als alte. Werden mehr als ein Drittel der Fenster getauscht, verlangt die DIN 1946-6 ein Lüftungskonzept.
- Reihenfolge mit der Fassade: Wird die Außenwand später gedämmt, muss das Fenster schon heute dafür sitzen.
- Fotos vom Rohzustand: Was nach dem Verputzen verschwindet, dokumentiere ich vorher.

Energieberatung in Oberursel
Mein Büro liegt in Steinbach, Oberursel ist die direkte Nachbarstadt. Was dort für Sanierungen gilt, von der Wärmeplanung bis zur städtischen Förderung, steht auf meiner Seite zur Energieberatung in Oberursel. Einen Überblick über alle Leistungen finden Sie unter Energieberatung.
Wenn Sie selbst über neue Fenster nachdenken: Im kostenlosen Erstgespräch klären wir, was zuerst kommt und welche Förderung passt.